Safari in Äthiopien – Die Elefanten von Kafta

Unser Kontakt Feleg im Grenzstädtchen Humera empfängt uns mit den Worten, dass wir uns doch wirklich eine lausige Jahreszeit ausgesucht hätten den Nationalpark zu besuchen. Die Regenzeit jetzt im August macht die Schwarzerden sehr matschig und schwer zu befahren. Etwas getrübte Stimmung kommt auf in dem kleinen Kaffeehaus, in dem wir gemeinsam mit Feleg unsere geplante Elefantenexkursion für die nächsten Tage besprechen. Auf der Autofahrt nach Humera haben wir noch positiv zur Kenntnis genommen, dass es sicherlich einer der kühlen Tage im Dreiländereck zwischen Äthiopien, dem Sudan und Eritrea ist. Nur 32 Grad schlägt das Thermometer an als wir auf der Fahrt hierher am mächtigen Tekeze-Fluss mit Blick auf seine majestätische Schlucht stoppen. Doch zwar halten die dicken Wolken die Sonne etwas zurück, aber bringen den Nachteil der Nässe, welche uns im unwegsamen Gelände des Nationalparks die Navigation erschweren könnte.
Der Kafta-Sheraro Nationalpark ist einer der am wenigsten besuchten in Äthiopien. Gerade einmal 37 Besucher zählte die Nationalparkverwaltung im zurückliegenden Jahr. Wir sind schon drei davon. In den letzten zwanzig Jahren hat der Grenzkonflikt zwischen den Nachbarländern Äthiopien und Eritrea nicht unbedingt dazu beigetragen, dass der Tourismus boomte. Weite Teile des Schutzgebietes verlaufen entlang der ehemaligen Pufferzone entlang der Grenze. Die Militärpräsenz ist hoch, es wird geraten sich entlang der Pisten aufzuhalten wegen der teilweisen Verminung entlang der Grenze. Nicht unbedingt Tatsachen, die Touristen für eine Safari gutheißen. Zwar entspannt sich dieser Tage die Situation an der Grenze tagtäglich seit dem Friedensschluss zwischen den beiden Ländern vom Juli 2018, doch Kafta-Sheraro wird auch weiterhin noch Zeit benötigen bis er touristisch besser erschlossen wird.

safari äthiopienCharakteristische Landschaft mit Dornbuschsavanne im Kafta-Sheraro Nationalpark

So tragisch der Krieg zwischen den ehemaligen Bruderstaaten war, für die Natur im Park war er ein Segen. Kafta-Sheraro ist einer der wenigen Parks in den die Bauern nicht eindringen, um Landwirtschaft zu betreiben. Im Grenzgebiet sind die Kontrollen zu streng. Flora und Fauna danken es mit einer üppigen Dornbuschsavanne und Galeriewäldern entlang des Tekeze-Flusses. Die mittlerweile sehr seltenen Rappen- und Pferdeantilopen haben im Park noch ein Refugium und noch schätzungsweise vierhundert Elefanten migrieren zwischen dem Nationalpark auf äthiopischer Seite und dem Sudan und Eritrea. Wir hatten mit unserem Kontakt Feleg schon im Vorfeld telefoniert und er hat uns versichert, dass zwischen Juni und Oktober die besten Chancen bestehen die Elefanten auf der äthiopischen Seite anzutreffen.
Eine Sensation im sonst restlos besiedelten Äthiopien, wo der Mensch sich schon seit langem die Überhand über die Natur erzwungen hat. Die Elefanten von Kafta sind eine der am nördlichsten vorkommenden Elefantenpopulationen Afrikas. Womöglich isoliert konnten sie hier überleben ohne Bezug zu anderen afrikanischen Elefanten-Herden. Äthiopien gilt nicht als typisches Safari-Land in Afrika, aber Kafta-Sheraro steht dabei sicherlich vielen anderen afrikanischen Parks um nichts nach. Im Gegenteil hat Kafta sogar noch den Hauch von Abenteuer, den viele andere afrikanische Parks mit Luxushotels mittlerweile verloren haben. Wer nach Kafta kommt, der übernachtet irgendwo im Park, wo es einem gefällt. Wirklich erschlossene Zeltplätze gibt es nicht. Abends ist dann am Lagerfeuer Feldküche angesagt.

safari äthiopienJetzt in der Regenzeit finden die Elefanten genügend Futter im Nationalpark

Dieses Abenteuer ist es welches wir suchen. Abseits der mittlerweile Regel überladenen Safari-Parks sonstwo auf dem Kontinent, ist es uns in Kafta noch erlaubt selbst zu entscheiden und frei mit der Natur zu sein. Auf der Pirsch holpert unser Geländewagen über die Wege oder das was uns unser Begleiter Feleg als ebendiese verkauft. Mitten durch das hohe Gras verlieren sie sich immer wieder und ohne genaue Ortskenntnis oder GPS kann man sich hier eicht verfranzen.
Die Tiefländer im westlichen Zipfel des Parks sind jetzt in der Regenzeit Elefantengebiet. Hier finden die Dickhäuter in der üppig grünen Savanne genügend Fressbares und das Wasser des Tekeze-Flusses ist nie fern. Zunächst bleiben wir noch auf einer Piste durch die Buschländer, die zwei Militärlager miteinander verbindet. Doch wer Elefanten auf der Fährte ist, der muss ihren Spuren folgen – notfalls zu Fuß. Mächtige Bäume liegen geknickt wie Streichhölzer plötzlich mitten im Weg, breite Schneisen an niedergetrampeltem Gras ziehen sich von hier tiefer in den Busch und der Geruch frischer Losung und Urins verrät uns, dass die Dickhäuter erst vor kurzem hier gewesen sein müssen. Zusammen mit unserem Scout Feleg, der seit Jahren im Park arbeitet und scheinbar jeden Busch kennt, navigieren wir unser Fahrzeug weiter und immer tiefer in den Park.
Wir sind nah und die Spannung ist greifbar, schließlich bin ich seit nunmehr zehn Jahren in Äthiopien und es ist mir bisher noch nie gelungen Elefanten hier zu sehen. Die Spuren verlieren sich plötzlich wieder, doch auch die „kleinen“ Sehenswürdigkeiten lassen mich nicht aus ihrem Bann. Hinter einem Busch lugt das mächtige wie ein Korkenzieher gewundene Geweih eines männlichen Kudus hervor und mit einem Satz entweicht es ins Dickicht. Einige Helmperlhühner flüchten vor unserem Fahrzeug, indem sie fast eine Minute vor ihm herlaufen als den rettenden Sprung ins hohe Gras zu wagen.

safari äthiopienDieses Jungtier zeigt sich uns mitten auf dem Fahrweg – nicht immer ist die Sicht im Dickicht so frei

Wir stoppen unser Fahrzeug, denn es bewegt sich etwas hinter einem der Büsche nur knapp vor uns. Elefanten! Jetzt sehe ich sie plötzlich überall verstreut in der Savanne, ruhig vor sich hin grasend. Mindestens vierzig Tiere und mit jedem Meter, den wir weiter pirschen finden sich neue Tiere im Schatten der Büsche. Meine Erfahrung sagt mir, dass nun Vorsicht geboten ist. Wie verhalten sich die Bullen? Gibt es Jungtiere? Doch mit einer stoischen Ruhe akzeptieren Sie uns mitten unter ihnen.
Dennoch bleibt Aufmerksamkeit geboten. Die Tiere sind leicht reizbar und unser Safarifahrzeug kann im Falle einer Attacke zum Spielball eines bis zu vier Tonnen schweren ausgewachsenen Bullen werden. Wir pirschen uns weiter vor und stoppen wieder. Einer der Bullen hat uns gewittert, sein Rüssel erhebt sich schnuppernd in die Höhe und er schlendert in unsere Richtung. Er zeigt seine Ohren und lauscht. Möchte er nun mit ersten Drohgebärden beginnen?
Besonders in einem so unerforschten Gebiet wie in Kafta ist selbst den Rangern nur sehr wenig über das Verhalten der Tiere bekannt und sorgsames Beobachten ihrer Gemütslage ist von Nöten, um ungewollten Gefahren zu entgehen. Feleg sagt uns zwar, dass die Tiere noch nie einen Menschen angegriffen hätten, aber so ganz glauben möchte ich ihm diesen Satz nicht. Besser vertraue ich da meiner Erfahrung von anderen Safaris, doch solange die Tiere weiterhin entspannt grasen und keine Drohgebärden wagen sind wir sicher im Wagen.

safari äthiopienAuf einem Hügel erspähen wir fast 50 Elefanten auf einmal

Es beginnt ein überwältigender Moment im Einklang mit der Natur. Ungestört beobachten wir die Tiere. Ich zücke meine Kamera und versuche diesen Moment dieses majestätischen Aufeinandertreffens im Bild zu fassen. Erst vier Wochen später am Schreibtisch in der Bearbeitung der Bilder fällt mir auf wie perfekt die Fotos diesen Moment der Nähe zu diesen Riesen ausdrücken. Mehr Eindrücke aus Kafta findet ihr in meinem Portfolio.


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Reiseführer Äthiopien: Eine Reise in das älteste Kulturland Afrikas von Christian Sefrin

Kompakt und informativ reisen Sie mit meinem Wissen und persönlichen Empfehlungen aus meinen über zehn Jahren in Äthiopien.

Neben aktuellen Reisetipps und vielen Hinweisen zur Reisevorbereitung bietet dieser Trescher-Reiseführer umfassende Hintergrundinformationen über Geschichte, Natur und Kultur Äthiopiens und ermuntert auch abseits der Touristenrouten unterwegs zu sein.


Ich begleite Sie als Reiseleiter gerne zu Ihrem persönlichen Reiseabenteuer. Alle Reiseleitungen von mir finden Sie hier. Alle Reisen werden von etablierten und erfahrenen deutschen Reiseverastaltern durchgeführt.

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