Reisetipps & Informationen für Ihre nachhaltige und individuelle Reise

Äthiopien ist in etwa dreimal so groß wie Deutschland und somit verständlicherweise schwierig im Ganzen zu bereisen. Wir empfehlen unseren Kunden demnach meistens sich für eine Region zu entscheiden und sich hierfür mindesten zwei Wochen Zeit zu nehmen. Dies ist normalerweise ausreichend Zeit die regionalen Sehenswürdigkeiten kennenzulernen und Zeit für Begegnungen zu haben. Es bietet sich an das Land in die vier Himmelsrichtungen einzuteilen. Hier ein paar Tipps für die einzelnen Regionen:

Der Norden

Nordäthiopien ist überwiegend christlich-orthodox geprägt und fasziniert durch schroffe Hochgebirgslandschaften. Der Norden ist das Kerngebiet der äthiopischen Kaiserreiche und demnach gibt es viele kulturhistorische Kleinode zu besichtigen. In Axum und Umgebung kann man eintauchen in die Geschichte des Großreichs von Axum, eines der bedeutendsten Reiche der afrikanischen Frühgeschichte. Mit dem Einzug des Christentums nach Äthiopien entstanden viele Kloster und Kirchenanlagen, teilweise sehr versteckt und wahre Weltwunder der Kirchenarchitektur. Eine Reise durch den Norden sollte definitiv Besuche der Kirchenanlagen in Lalibela und Gheralta berücksichtigen. Das äthiopische Mittelalter spielte sich im Wesentlichen um den höchstgelegensten See Afrikas, dem Tanasee, ab. Hier befinden sich in Mitten einer grünen Landschaft die Schlösser von Gondar und einsame Inselklöster auf vergessenen Inseln am Tanasee. Der See ist mit seiner Vogelvielfalt auch gleichzeitig eines der Naturhighlights des Nordens. Wer die Natur mag, dem seien auch wärmstens Wandertouren (leicht bis schwierig) im Simien Mountain Nationalpark oder in der Menz Guassa Community Conservation Area ans Herz gelegt.

Der Osten

Eine Reise in den Osten Äthiopiens erinnert vielerorts an den Orient, aber hat auch einen Hauch von Safari und Abenteuer. Eine interessante Mischung wie sie wahrscheinlich weltweit einzigartig ist. Nicht nur die überwiegend islamische Bevölkerung ist so gegensätzlich zu anderen Regionen Äthiopiens, sondern auch die alten islamische Handelsstadt Harar, die eng verbunden ist mit der nahen arabischen Welt. Die ummauerte Altstadt Harars ist UNESCO Weltkulturerbe und bietet genug spannende Geschichten für einen längeren Besuch. Unweit von Harar liegt Dire Dawa, wo sich ein Stück äthiopische Eisenbahngeschichte erfahren lässt. Die Stadt mitten in der Wüste entstand Anfang des 20. Jahrhunderts im Zuge des Baus der ersten Eisenbahnlinie von Djibouti nach Addis Abeba. Ostäthiopien liegt inmitten des Afrikanischen Grabenbruchs und gilt als eine der vulkanisch aktivsten Regionen unseres Globus. Bei einem Abstecher in die Danakil-Wüste zu den aktiven Vulkanen Erta Ale und Dallol können Sie der Erde beim Entstehen zusehen und erleben dabei die Afar Nomaden, wie sie in dieser unwirtlichen Landschaft ihr Überleben meistern. Entlang einem der größten Flüsse Äthiopiens, dem Awash, sind inmitten dieser Wüsten- und Savannenlandschaften, aber auch grüne Oasen entstanden, die heute teilweise unter Naturschutz stehen und besichtigt werden können. Ein Abstecher im Awash Nationalpark ist lohneswert für Vogelbeobachter, denn hier leben etwa 360 verschiedene Vogelarten. Entlang des Flusses lauern die Nilkrokodile auf Beute und die goldenen Grasländer sind die Heimt der Oryx Antilopen.

Der Süden

In Südäthiopien leben 46 verschiedene Volksgruppen mit eigener Sprache, Kultur und Geschichte. Diese alle kennenzulernen lässt sich in einer Reise sicherlich nicht machen, weshalb viele Touristen sich auf das Omo Tal beschränken. Doch unweit der Touristenrouten finden sich im Süden auch spannende neue Destinationen, die wir unseren Kunden gerne weiterempfehlen. In Sidamo z.B. wächst einer der besten Kaffees Äthiopiens und die Gastfreundschaft der Menschen hier lädt zum Verweilen ein. Mit Äthiopien als Geburtsort des Kaffees lässt sich hier vieles an alter Tradition und Legenden über den Kaffeeanbau erfahren. Oder bei den Dorze in den Hochgebirgen bieten sich hervoragende Treks an mit Blicken in den Afrikanischen Grabenbruch. Die Bale Mountains sind die zweithöchste Gebirgskette Äthiopiens und der Nationalpark ist einer der artenreichsten des Landes. Hier lebt u.a. noch eine relativ stabile Population des bedrohten äthiopischen Wolfes. Und die Schluchten des Web Flusses sind mit ihrer bunten Vogelwelt ein Paradies zur Vogelbeobachtung.

Der Westen

Der Westen ist Äthiopiens noch am wenigsten erschlossene touristische Region. Wer Lust hat auf Authentitität und Abenteuer der ist in den wenig bekannten Regionen Westäthiopiens genau richtig. Teilweise dicht bewaldet, wachsen hier die letzten Regenwälder des Landes mit ihrer Vielfalt an Wildkaffeearten. Besonders lohnenswert sind Besuche in den Biosphärenreservaten Kafa, Yayu oder Sheka. Über den Westen lassen sich auch Touren auf die Westseite des Omo Flusses organisieren, die noch etwas ursprünglicher anmuten als das Ostufer des Flusses. Bei der Volksgruppe der Surma lassen sich auch mehrtägige Treks durch den Nationalpark organisieren.

Klima, Reisezeit und Zeitverschiebung

Das Klima in Äthiopien ist während des gesamten Jahres sehr angenehm. Die Tage sind meist sommerlich warm. Aufgrund der hohen Lage des Landes wird es nachts aber erheblich kühler. In der Regenzeit zwischen Juni und September sollten Sie mit täglichen, heftigen Regenschauern rechnen. In dieser Zeit kann es passieren, dass einige Straßen unpassierbar sind. Eine kleinere Regenzeit gibt es von März bis Mai, aber mit deutlich weniger Regenschauern und ohne Problemen auf den Straßen. In den restlichen Monaten gibt es kaum Niederschläge. Empfehlenswert für eine Äthiopien-Wanderreise ist der Zeitraum zwischen Oktober und Mai. Unmittelbar nach der Regenzeit stehen ganze Landstriche Äthiopiens in der Blüte. Auch die religiösen Feste der orthodoxen Kirche, welche im September und Januar stattfinden, sind es wert, in der Planung Ihres Äthiopien-Urlaubs Beachtung zu finden.

Die äthiopische Zeit liegt zwei Stunden vor der Mitteleuropäischen Zeit. Während der europäischen Sommerzeit beträgt die Differenz nur eine Stunde. Eine Besonderheit stellt die Tageszeiteinteilung dar: Der Tag beginnt mit Sonnenaufgang um 6 Uhr, hat zwölf Stunden und endet mit dem Sonnenuntergang um 18 Uhr. Dann beginnt die Nacht, diese hat ebenfalls zwölf Stunden. In Äthiopien gilt der julianische Kalender, der sieben Jahre und acht Monate hinter unserer Zeitrechnung liegt. Das Jahr hat zwölf Monate mit je 30 Tagen und einen zusätzlichen 13. Monat mit fünf bis sechs Tagen. Auch die kirchlichen Feiertage werden nach dem julianischen Kalender gefeiert.

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl Äthiopiens liegt derzeitig bei etwa 96 Mio. Menschen. Bei einem Bevölkerungswachstum von etwa 3 % prognostizieren Experten einen Bevölkerungsanstieg auf etwa 160 Mio. Menschen im Jahr 2050. Äthiopien zählt immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt bei einem BIP von 390 USD pro Kopf.

Politik, Geschichte, Kultur und Wirtschaft

Äthiopien gilt nicht nur als die „Wiege der Menschheit“, sondern ist mit seiner 2.000-jährigen Geschichte eines der ältesten Staatsgebiete Afrikas und der Welt. Die meisten Äthiopier gehören entweder dem Islam oder dem äthiopisch-orthodoxen Christentum an. Es gibt aber auch Protestanten, Katholiken und Anhänger von Naturreligionen.

Erst Anfang der 1990er Jahre wurde Äthiopien demokratisch. Nach langen Jahren der sozialistischen Diktatur und des darauf folgenden Bürgerkrieges hat sich das Land unter Premierminister Meles Zenawi und dessen Nachfolger Hailemariam Desalegn stabilisiert und international geöffnet. Das positive Wirtschaftswachstum bestätigt weiterhin die ambitionierten Ziele des Landes, die politische Liberalisierung Äthiopiens hingegen geht nur zaghaft voran. Leider existieren weiterhin große soziale Ungleichheiten zwischen den einzelnen Volksstämmen des Landes – auch dies wird Ihnen während Ihrer Äthiopien-Rundreise nicht entgehen. Grund für die sozialen Ungleichheiten in Äthiopien sind die zentralistische Orientierung des Staates und die Ungleichberechtigung verschiedener Glaubensrichtungen.

Ein Großteil der Bevölkerung in Äthiopien lebt auf dem Land und betreibt Subsistenzwirtschaft. Die Familie ist der wichtigste soziale Bezugspunkt und ist zumeist patriarchalisch organisiert. In den Städten gibt es aber eine deutlich stärkere Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Die Landwirtschaft ist zugleich der wichtigste Wirtschaftsfaktor Äthiopiens. Sie macht fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus. Aber auch Dienstleistungen gewinnen immer mehr an Wichtigkeit: Der Tourismus ist einer der Hoffnungsträger für eine nachhaltige Armutsbekämpfung. Sollten Sie sich für einen Äthiopien-Urlaub entscheiden, leisten Sie also einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum Ihres Reiselandes.

Sprache, Währung und Reisekasse

In Äthiopien werden über 80 Sprachen mit über 200 Dialekten gesprochen. Je nach Region werden Sie auf den Stationen Ihrer Rundreise also unterschiedliche Sprache hören. In Addis Abeba und den großen Städten des Landes ist die Kommunikation auf Englisch ohne Probleme möglich. Grundsätzlich ist aber Amharisch die zwischen den Regionen übliche Sprache, und in abgelegeneren Orten kann es schwierig sein, englische Gesprächspartner zu finden. Sie sollten daher versuchen, für Ihre Äthiopien-Reise ein paar Amharische Wörter zu lernen, so dass Sie Essen bestellen oder nach der Toilette fragen können. Die Währung in Äthiopien ist der Birr (ETB). Der Wechselkurs zum Euro beträgt aktuell ca. 1 € = 25 ETB bzw. 1 ETB = 0,04 € (Stand Mai 2016. Den tagesaktuellen Wechselkurs finden Sie online unter www.oanda.com/lang/de/currency/converter). Idealerweise sollten Sie eine Kreditkarte in den Äthiopien-Urlaub mitnehmen, da das Geldabheben am Automaten mit der Maestro-Karte nicht überall möglich ist. Mit einer Kreditkarte können Sie an nahezu allen Geldautomaten problemlos Geld abheben und sind überdies im Schadensfall versichert. VISA und Mastercard sind die üblich anerkannten Kreditkarten, aber auch American Express und Diners Club werden in größeren Hotels und an Automaten akzeptiert. Von der Verwendung von Reiseschecks wird abgeraten. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, sollten Sie zusätzlich eine Bargeldreserve in Euro mitnehmen.

Essen und Trinken

Äthiopiens Kochkunst ist etwas Besonderes. Essen in Äthiopien ist mehr ein gesellschaftliches Ereignis als eine Mahlzeit, und es ist weniger scharf als sein Ruf. Normalerweise wird eine große Platte mit einer Auswahl an Speisen in die Mitte des Tisches gestellt und dann mit den Händen gegessen. Häufig bieten Restaurants aber auch europäische Gerichte an. In abgelegenen Orten ist das kulinarische Angebot Äthiopiens allerdings oft auf Nudeln beschränkt. Trinkwasser wird an jeder Straßenecke verkauft. Für die Rundreise ist es sinnvoll, eine 5L-Flasche im Reisebus zu lagern und das Wasser aus dieser nach Bedarf umzufüllen. Leitungswasser sollten Sie in Äthiopien nicht trinken.

Einreise, Visum und Gesundheit

Deutsche, Österreicher und Schweizer Staatsangehörige benötigen für die touristische Einreise einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass und ein gebührenpflichtiges Visum (z. Zt. 45 €), das bei den zuständigen Vertretungen oder vor Ort bei der Ankunft am Flughafen von Addis Abeba beschafft werden kann. Bitte beachten Sie, dass jeder Reisende grundsätzlich für die Einhaltung der Einreisebestimmungen selbst verantwortlich ist.

Vorgeschrieben sind für Äthiopien derzeit keine besondere Impfungen. Bitte lassen Sie sich dennoch von Ihrem Hausarzt oder Tropeninstitut über die für Sie sinnvollen Impfungen/Auffrischungen und Prophylaxemaßnahmen beraten. In Äthiopien ist die Immunschwächekrankheit HIV/AIDS weit verbreitet. Zwar sind die Neuansteckungen in den letzten Jahren zurückgegangen, dennoch sollten Sie beispielsweise bei offenen Wunden die normalen Schutzmaßnahmen ergreifen. Unter Umständen sind Vorsorgemaßnahmen wie Malariaprophylaxe bzw. Impfungen gegen Hepatitis A, Tetanus, Polio oder Diphtherie ratsam.

Sicherheit

Wie bei anderen Reisen auch empfiehlt es sich auf Ihrer Äthiopien-Reise eine Fotokopie Ihres Reisepasses und der Flugtickets mitzunehmen. Bewahren Sie diese Kopien getrennt von den Originalen in Ihrem Reisegepäck auf. Bei Verlust der Reisedokumente ist es dann leichter, Ersatz zu beschaffen. Das äthiopische Hochland gilt als vergleichsweise sicher. Sie können sich also ohne Angst auch nach Sonnenuntergang in den Orten frei bewegen. Sie sollten aber keinen wertvollen Schmuck all zu offen zur Schau zu stellen bzw. Ihre Wertsachen nicht unbeaufsichtigt liegen lassen. Auf dem Merkato und in ärmeren Stadtteilen von Addis Abeba sollten Sie größere Vorsicht walten lassen. Bei Verlust Ihrer Mobilfunk-, EC- oder Kreditkarte können Sie diese telefonisch sperren lassen unter +49 116 116 und +49 30 4050 4050 (Stand Mai 2016, detaillierte Informationen unter www.sperr-notruf.de). Detaillierte Informationen zur aktuellen Sicherheitslage in Äthiopien erfahren Sie auf der Webseite des Auswärtigen Amtes bzw. auf Nachfrage direkt bei uns.