Ein Baudenkmal steht im Weg – Der historische Bahnhof von Addis Abeba, Äthiopien

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Wer heute in Addis Abeba ankommt, landet auf dem neuen internationalen Flughafen. Nach ein paar Stunden Flug befindet man sich unmittelbar im Leben Äthiopiens. Die Zeiten der beschwerlichen zweitägigen Zug Reise von Djibouti nach Addis Abeba sind lange Vergangenheit. Schon seit Jahren ist die Trasse stillgelegt und diente auch davor nur noch vereinzelt dem Personen- und Güterverkehr.
Einer der wenigen bauhistorischen Schätze, der heute noch nicht dem Bauboom zum Opfer gefallen ist, ist der 1927 fertiggestellte Bahnhof Addis Abebas. Imposant erinnert das gelbe Gebäude an die glorreiche Epoche der Chemin de Fer Djibouto Ethiopien – Afrikas erster Eisenbahn. Beauftragt von Kaiser Menelik II. nahm die Idee zum Bau unter der Regie des Schweitzer Ingenieurs Alfred Ilg 1896 Gestalt an und nur knappe 20 Jahre später fuhr der erste Zug zwischen Addis Abeba und Djibouti.
Ich treffe Debebe Kasa, den Bahnhofsvorsteher, im Eisenbahnerclub beim Boule spielen. Hier spricht man noch Französisch ganz wie in alten Zeiten. Debebe, ein kleiner quirliger Äthiopier arbeitet seit 25 Jahren bei der Eisenbahn. Mit seiner lebendigen Art erinnert er mich ein bisschen an Luis de Funès. Schon nach wenigen Minuten merke ich, dass sie mehr ist als bloß sein Arbeitgeber. Sie ist sein Leben und seine Stütze zugleich. Der Job gab ihm immer wieder die Kraft schwierige Lebensphasen zu meistern. So wie er treu zu seiner Eisenbahn stand, standen sie und die Kollegen über all die Jahre hinter ihm.
Debebe ist ganz und gar Eisenbahner. Seine Welt dreht sich alleine darum. Er ist ein wahres Lexikon zur Eisenbahngeschichte Äthiopiens. Während unserer Bahnhofsbesichtigung zeigt er mir die alten Wagons Haile Selassies, die einst von Königin Elisabeth von Großbritannien geschenkt wurden. Er plaudert aus dem Nähkästchen, dass es Haile Selassie ein Verhältnis mit der Königin gehabt haben soll oder dass eigens für den Staatsbesuch von Charles de Gaulle ein Bahnhofshotel mit großem Bett gebaut wurde, da die Betten in den Wagons zu kurz waren.
Mit ihm erwacht der Bahnhof wieder zum Leben. Leere und verrostete Passagierwagons füllen sich wieder, auf den Plattformen quetschen sich die Passagiere der dritten Klasse in die überfüllten Wagons, während man in der ersten Klasse schon diniert. In alten Maschinenhallen wird fleißig geschraubt, damit der Zug doch noch rechtzeitig losfahren kann. Man fühlt sich zurückversetzt in die Epoche der Eisenbahn als man noch tagelang durch die Wüste bis nach Addis reisen musste.
Zu schade, dass diese historische Städte bald den Baggern zum Opfer fallen könnte, plant die Stadt doch den Bau einer Straße durch das Gelände. Mit der Hilfe der UNESCO könnte das Denkmal aber erhalten bleiben.

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