Ostern in Lalibela

Die Sonne hebt sich hinter dem mächtigen Asheton Tafelberg hervor und wärmt mit ihrem ersten matten Lichtstrahlen die Gassen. Räucherner Geruch durchzieht diese von den Feuern der Nacht, welche die kleinen Wellblechhütten gegen die Kühle der Nacht einheizen.

 

Auf den Straßen ziehen im frühen Tageslicht vereinzelt Menschen. Mit ihren weißen Tüchern erhellen sie die noch dunklen nur dürftig beleuchteten Gassen. Die Menschen folgen den blechernen Gebeten, welche durch krächzende Lautsprecher die Stille des Morgens brechen. Die Ströme an Gläubigen verdichten sich schließlich vor einem schmalen Felsspalt, der in den rötlichen Tuffstein hineinführt.

Wir stehen vor den Toren in die heilige Stadt Lalibela, Äthiopiens legendärer Felsenstadt mit ihren elf vor acht Jahrhunderten kunstvoll in den Stein gemeißelten Gotteshäusern. Im 12. Jahrhundert entstanden diese Wunderwerke der Kirchenarchitektur abgelegen und verschanzt in der nordäthiopischen Bergwelt als letzte christliche Bastion vor dem sich ausweitenden Islam. Isoliert vom europäischen Christentum erhielten sich in diesen Bergtälern um Lalibela christliche Traditionen wie vor Jahrhunderten. Heute sind diese der Quell einer eigenständigen christlichen Strömung – der äthiopisch orthodoxen Kirche.

 

Lalibela gilt als einer ihrer heiligsten Orte, ein äthiopisches Jerusalem. Kirchen, die historische Namen wie Golgota oder Berg Sinai tragen, bilden die legendäre Brücke ins Gelobte Land und zu biblischen Orten. Äthiopiens Gläubige pilgern zu den großen Feiertagen hierher, um das symbolische Grab Christi und anderer Heiliger zu besuchen. Die Mythen und Legenden, die sich um die heilige Stadt ranken sind durch sie heute noch lebendig. Lalibela ist keinesfalls ein Museum, sondern seine Gotteshäuser sind auch heute noch genutzt.

Jetzt, eine Woche vor dem orthodoxen Osterfest, ist einer dieser mythischen Momente die tiefe Religiosität dieses wundersamen Ortes und seiner Gläubigen mitzuerleben. Am heutigen Sonntag gedenken die Äthiopier dem Einzug Jesu in Jerusalem kurz vor seiner Kreuzigung. Auch im fernen Afrika kennt man den Palmsonntag.

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Pilger suchen überall ihre Refugien auf, um die Gottesmutter anzubeten

Wir wickeln uns selbst in die wollig warmen sharmas, so nennen die Äthiopier ihre Tücher mit denen sie den Gottesdiensten beiwohnen, und betreten mit den Gläubigenschar den Vorhof der Welterlöserkirche, der größten Felsenkirche des Landes. Mächtig thront diese in den Stein gearbeitete freistehende Felsformation mit ihrem Säulengang nun fast zehn Meter über uns. Allein schon dieser Anblick flößt uns Ehrfurcht ein. Kurz nach Sonnenaufgang ist der Gottesdienst schon in vollem Gange. Seit etlichen Stunden schon, wir haben es schon im Halbschlaf vom Hotelzimmer aus wahrgenommen, predigen die Priester aus den Jahrhunderte alten Pergamentschriften.

Wir erleben den Gottesdienst im Vorhof der Welterlöserkirche. Ihr Innenraum ist lediglich einer kleinen Gruppe an Gläubigen und hauptsächlich den Priestern, Diakonen und Kirchenmusikern vorenthalten. Doch inmitten der Gläubigen überträgt sich die Frömmigkeit der Äthiopier. Es durchfährt uns ein Kribbeln als die Menschenmassen anfangen leise im Rhythmus vor sich hinzubeten oder im Takt der Trommeln gemeinsam Kirchenlieder anstimmen. Für Stunden fesselt uns diese Mystik.


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