Fotoschule – So machst Du bessere Fotos vom Sternenhimmel

Wir alle kennen diese einmaligen Momente unter einem endlosen Sternenhimmel zu sitzen, am Lagerfeuer im Frieden mit uns und der Welt. Doch greift man nun spontan zur Kamera, um diese Einzigartigkeit im Foto festzuhalten sind die Ergebnisse meistens unbefriedigend. Ich möchte Euch heute einige einfache Schritte zeigen, wie ihr künftig bessere Sternenfotografien machen könnt.

Wichtig sind natürlich neben einer guten Ausrüstung und dem entsprechenden Wissen über dessen Bedienung auch die äußerlichen Bedingungen wie Wetter, Mond und Standort, um beachtliche Ergebnisse mit dem nötigen Aha-Effekt zu erzielen.

Das Wetter sollte möglichst wolkenfrei sein und der Himmel klar. Kleinere Felder an Schleierwolken können manchmal aber auch genau den gewünschten fotografischen Effekt liefern, sofern auch noch ein paar Sterne im Bild bleiben. Wer die Milchstraße deutlich ausgeprägt haben möchte, für den kann der Himmel aber eigentlich nicht dunkel genug sein und deswegen sollte man sich schlau machen, wann der Mond auf und untergeht. Am besten eignen sich die Nächte mit Neumond beziehungsweise einige wenige davor oder danach. Es handelt sich also lediglich um 4 bis 5 Nächte im Monat, die sich bestens zur Sternenfotografie eignen. Informationen zu den Mondphasen gibt es hier. Es sollte ein Standort fernab von großen Städten gewählt werden, bei dem möglichst wenig Lichtverschmutzung sichtbar ist. Gerade in Verbindung mit einem trüben Himmel sind sonst viele Sterne nicht sichtbar. Im Internet finden sich auch Quellen für Karten, die die Lichtverschmutzung abbilden (Blue Marble oder Darksite Finder).

Auf einer meiner letzten Fotoreisen durch Äthiopien im Januar waren die äußerlichen Voraussetzungen passend und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen.

sternenhimmel

Die Milchstraße aufgenommen mit Blende 2.8, 30 Sek.

Die Objektivwahl ist durchaus entscheidend für die Wirkung des Fotos. Meistens verwendet man Weitwinkel Objektive ab 24 mm oder geringer, besonders dann wenn man auch noch etwas Landschaft mit ins Bild bekommen oder die Weite des Himmels abbilden möchte. Für die Objektivwahl gilt es grundsätzlich so viel Licht wie möglich auf den Sensor zu bekommen, ohne die Belichtungszeit ins unermessliche zu steigern. Daher gilt: je lichtstärker, je besser. Eine Offenblende von f 2,8 ist gut – aber noch mehr Licht ist noch besser. Da wegen der Dunkelheit mit langen bis extrem langen Belichtungszeiten gearbeitet werden muss kommt man an der Nutzung eines stabilen Stativs, um Verwackeln zu vermeiden, natürlich auch nicht vorbei.

Achtet man auf gute äußeren Bedingungen und hat das richtige lichtstarke Objektiv und ein Stativ im Gepäck, dann ist jeder Hobbyfotograf eigentlich schon mit dem Wesentlichen bewaffnet um gute Ergebnisse zu erzielen.

Folgende Zusatzausrüstung eignet sich für noch bessere Ergebnisse:

  • Weil gerade bei Langzeitbelichtungen durch den Sucher Streulicht kommen kann, empfiehlt sich eine Abdeckklappe dabei zu haben. Ist das Original verschwunden, dann reicht auch ein leicht zu entfernender Klebestreifen.
  • Speicherkarten sollten nicht nur vorher auf Funktionstüchtigkeit geprüft, sondern alle wichtigen Daten vorher auch geleert worden sein. Schnelle Karten (> 90 MB/sec.) verarbeiten die die großen Datenmengen bei RAW-Aufnahmen und den Langzeitbelichtungen besser.
  • Der Stromverbrauch ist hoch, sowohl der Live-View Modus als auch die langen Belichtungszeiten fressen viel Strom. Ein Wechselakku kann hilfreich sein.
  • Um eine erschütterungsfreie Auslösung zu ermöglichen braucht es einen Fernauslöser. Ob als Funkauslöser oder mit Kabel ist nebensächlich. Zur Not kann man auch den Selbstauslöser der Kamera nutzen.
  • Eine Taschenlampe lässt einem in absoluter Dunkelheit den Durchblick bewahren, aber man sollte sie natürlich während der Aufnahme abschalten, es sei denn man beabsichtigt einen fotographischen Effekt mit Streulicht.
  • Wenn man sich lange Nächte um die Ohren schlägt dann kann eine gute Sitzgelegenheit, etwas Proviant und warme Kleidung sicherlich nie schaden.

sternenhimmelEine Ebenenmaske in der Nachbearbeitung ermöglicht den etwas helleren Vordergrund

Gut vorbereitet und ausgerüstet kommt es nun auf die Einstellungen der Kamera an.

Sicherlich hat jeder von Euch schon einmal Sternenfotografien gesehen und wird dabei einmal die Sterne als Punkte recht scharf oder als konzentrische Kreise, die sich um den Himmelspol drehen, gesehen haben. Dieser Unterschied hängt von den gewählten Belichtungszeiten ab, mit denen man den Himmel ablichtet. Beide Arten haben ihre Berechtigung und hängen letzen Endes vom Geschmack jedes einzelnen Fotografen ab. Ich persönlich bevorzuge die originalgetreue Abbildung des Firmaments. Die Kreisdarstellung hingegen hält die Erdrotation fest. Als Fixpunkt für die Motivwahl kann man sich am Nordstern orientieren, um dessen Zentrum sich die Kreise dann reihen werden.

Das richtige Verhältnis aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert geben dem Bild am Ende seine Brillanz und demnach ist eine manuelle Voreinstellung dieser Faktoren unabdinglich. Auf Grund der schwachen Lichtverhältnisse sollte man immer mit der größten möglichen Offenblende fotografieren. Eine Blende 2.8 ist oftmals die beste Wahl, da noch möglichst viel Licht auf den Sensor fällt. Die Belichtungszeit hängt davon ab für welchen Stil man sich entscheidet bei der Sternenfotografie. Längere bis extrem lange Belichtungszeiten ermöglichen die Darstellung der Sterne als konzentrische Kreise. Wer die Sterne als Punktabbildung erhalten möchte, der sollte bestimmte maximale Belichtungszeiten in Abhängigkeit vom Sensor der Kamera und der Brennweite des Objektivs beachten, die man über folgende Formel berechnen kann:

  • Crop-Sensoren: 300/Brennweite,
  • Vollformat-Kameras: 500/Brennweite

Stellt man die Brennweite auf 20mm ein, so ergibt sich bei einer Vollformat-Kamera eine Belichtungszeit von 500/20 = 25 Sekunden, d.h. dass Sterne in diesem Beispiel bis zu einer Belichtungszeit von 25 Sekunden noch punktförmig abgebildet werden. Erfahrungsgemäß ist ein ISO Wert zwischen 800 und 1600 notwendig, damit auf dem Bild etwas zu sehen ist. Wie immer gilt aber auch hier die Regel, einen so tiefen ISO Wert wie möglich einzustellen, um möglichst wenig Rauschen im Bild zu haben. Bei einem zu hohen ISO Wert entsteht ein körniges Bild, auf welchem ab einem gewissen Maß die Sterne nicht mehr vom Rauschen unterschieden werden können.

Das Zusammenspiel dieser drei Faktoren ist je nach Motiv und Lichtsituation unterschiedlich und Anfänger müssen vielleicht erst einmal ein paar Probeaufnahmen machen bis die Helligkeit des Bildes passt. Ist ein guter Dreiklang aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert gefunden, dann optimieren folgende Einstellungen an der Kamera das Endergebnis noch erheblich. Einige Einstellungen zielen darauf ab die Erschütterung der Kamera bei Auslösung zu vermindern, denn jeder minimale Verwackler führt zu Unschärfen im Bild.

  • Da im RAW-Format mehr Spielraum bei der Bearbeitung bleibt (z.B. beim Weißabgleich oder beim Herausarbeiten von Details) sollte ausschließlich im RAW-Modus fotografiert werden.
  • Bei der kamerainternen Rauschreduzierung wird üblicherweise nach der Aufname ein zweites Bild bei geschlossenem Vorhang mit gleicher Belichtungszeit gemacht (Darkframe). Dieses Bild wird anschließend mit der zuvor belichteten Bild verrechnet wird. Auf diese Weise wird das Rauschen und Hotpixel aus dem Bild herausgerechnet. Dabei können jedoch auch kleinere Sterne ebenfalls gelöscht werden. Daher sollte diese Option deaktiviert werden.
  • Damit der Spiegelschlag nicht zu verwackelten Fotos führt, kann bei den meisten Kameras die Spiegelvorauslösung aktiviert werden. Ist die Funktion aktiviert, wird beim ersten Betätigen des Auslösers lediglich der Spiegel hochgeklappt. Danach wartet der Fotograf einige Sekunden, bis die Schwingungen vom Spiegel abgeklungen sind und erst dann wird mit einem zweiten Druck auf den Auslöser der Verschluss geöffnet und das Bild belichtet.
  • Auf den Live-View-Modus sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. Im Live-View-Modus gibt es zwar keine Probleme mit Schwingungen beim Wegklappen des Spiegels, allerdings wird der Sensor in diesem Modus kontinuierlich angesprochen. Dadurch wird der Sensor warm, was zu erhöhtem Rauschen führen kann.
  • Der Bildstabilisator sollte ausgeschaltet werden.
  • Der Autofokus sollte deaktiviert werden, um einen einheitlichen Fokus bei Mehrfachaufnahmen zu gewährleisten

sternenhimmelLeichte Lichtverschmutzung am linken unteren Bildrand kann auch als Effekt genutzt werden

Bis man sich soweit vorbereitet hat und die Kamera auf das richtige Motiv ausgerichtet hat kann schon schnell eine Stunde vergehen. Zeit einen ersten Schluck warmen Tee aus der Provianttasche zu trinken und dann kann es Weitergehen mit der eigentlichen Aufnahme.

Aber wie bekommt man nun auch ein scharfes Ergebnis? Meistens nicht so einfach, da das Bild ja dunkel ist und man nicht weiß worauf man scharfstellen muss. Eigentlich immer versagt in solchen Situationen auch der Autofokus fast jeder Kamera. Also hilft nur das manuelle Fokussieren. Das geht relativ leicht von der Hand, wenn die Kamera über einen Live-View-Modus verfügt. In diesem Fall wird im Live-View-Modus ein Stern oder der Mond anvisiert. Bei größter Vergrößerung des Live-View-Bildes wird solange am Fokusring gedreht, bis der Stern bzw. das Objekt möglichst klein im Display erscheint. Wichtig: Wenn ihr eine scharfe Einstellung gefunden habt, nicht mehr am Fokusring drehen und den Autofokus ausgeschaltet lassen!

Und nun kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Auslösen und warten bis das Foto fertig ist! Die Bilder sind häufig schon recht passabel, aber eine Nachbearbeitung am Computer gibt ihnen dann ihre endgültige Brillanz. Gunther Wegener hat hierzu ein tolles Video Tutorial herausgegeben.

Aber nun erst mal raus zum Fotografieren und viel Spaß an der frischen Luft! Wer sich nicht alleine wagt, der kann ja im kommenden Herbst auf die von mir begleitete Fotoreise Äthiopien mitkommen, veranstaltet von Muka Travel.

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